Montag 10. Dezember 2018

NEU! Orthodoxe Kirchenzeitung

für Österreich im neuen Layout

Die aktuelle Ausgabe Frühjahr-Sommer/2018

 

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NEU! "Orthodoxe Religionspädagogik"

an der Universität Wien

 

 

Geschichte der Serbisch-orthodoxen Kirche in Österreich

 

Als 1683 die Türken vor den Toren Wiens mit Hilfe der Polen erfolgreich zurückgeschlagen wurden, schlossen sich die in Ungarn lebenden Serben den österreichischen Streitkräften an. Das 1684 geschlossene Bündnis von Österreich, Polen und Venedig beflügelte die Fortsetzung des Krieges gegen die Türken, so dass mit Hilfe der Serben die österreichischen Truppen die Türken bis nach Skopje zurückdrängten.

 

In dieser Zeit der Erfolge organisierte Patriarch Arsenije III (Čarnojević) im ganzen serbischen Gebiet Volkserhebungen. Doch das Kriegsglück drehte sich bald zu Gunsten des Osmanischen Reiches. Die Folge war, dass die österreichischen Truppen in den Norden Richtung Donau zurückweichen mussten und mit ihnen die Serben. Um massive Vergeltungsmaßnahmen zu verhindern flohen 1690 in der „Großen Wanderung“ viele Serben, angeführt von Patriarch Arsenije III (Čarnojević), über die Donau und Save und ließen sich im Gebiet von Buda und Szentendre nieder. Der Krieg gegen die Türken wurde 1699 mit dem Frieden von Karlovci beendet und die Hoffnung der Serben auf Rückkehr nach Serbien und zum Patriarchat von Peć war damit für lange Zeit verloren.  


 Patriarch Arsenije III (Čarnojević) organisierte ursprünglich die Serbische Kirche in Österreich aufgrund der Privilegien, die ihm von Kaiser Leopold I, 1690,1691 und 1695 eingeräumt wurden. Der erste Name der dortigen Kirche lautete Metropolie von Krušedol, weil sich ihr Sitz von 1708-1713 im Kloster Krušedol befand. Den Namen Metropolie von (Syrmisch) Karlowitz gibt es seit 1713, als der Sitz nach Sremski Karlovci verlegt wurde. Die Metropolie von Karlowitz stand seit Anbeginn unter der Jurisdiktion des Patriarchats von Peć. Der Patriarch von Peć, Kalinik I, hatte der Metropolie von Karlovci (Karlowitz) die Autonomie verliehen.


Es war nicht einfach, das Leben des serbischen Volkes und der Kirche in Österreich zu organisieren. Es galt, unter schwierigen Umständen vor allem die nationale Identität und den orthodoxen Glauben zu erhalten, und dies in einem mächtigen römisch-katholischen Land. Unser Volk war von Anfang an mit der geistigen Gefahr der Unierung konfrontiert, die leider, an einigen Orten, auch gewaltsam durchgeführt wurde, vor allem in der Diözese von Marca. Die Bischöfe und Priester versuchten, sich unter solchen Umständen so gut wie möglich zurechtzufinden. Sie stützen sich vor allem auf Russland, aus dem Geschenke in Form von Büchern für unsere Kirchen und Klöster kamen. Auch die ersten Lehrer kamen (Suworow und Kozatschinsky), von denen unsere ersten Schulen gegründet wurden. Österreich blickte nicht wohlwollend auf die Beziehungen der Serben und der orthodoxen Russen. Es tat alles, um diese zu vereiteln. Mit seiner Bildungs-, Kirchen- und Staatspolitik versuchte es, die Privilegien der Serben wieder aufzuheben, die Serben den ungarischen und österreichischen Feudalherren Untertan zu machen, und die römisch-katholische Kirche würde dabei ihren Teil der Arbeit, die Überführung in den römisch-katholischen Glauben, schon selbst vornehmen.


Als Grenz- oder Wehrsoldaten bewachten die Serben die südlichen Teile der österreichischen Grenze zur Türkei und sie genossen gewisse Toleranzen, solange sie als Soldaten erforderlich waren. Als die Kaiserin Maria Theresia auf Antrag von ungarischen Feudalherren die Militärgrenze im Gebiet der Flüsse Theiß und Morisa aufhob, führte das zu einer großen Unzufriedenheit der Serben über ihr neues Leibeigenendasein (Leibeigener — ein Bauer ohne Land, abhängig von seinem Feudalherren). Fast einhundert tausend serbische Grenzsoldaten siedelten zusammen mit ihren Familien zwischen 1752 und 1764 nach Russland aus. Dort gründeten sie eigene serbische Gebiete, die nach ihnen benannt wurden, Slavjanoserbia (Sawisch-Serbien) und Nova Serbia (Neues Serbien) in der heutigen Ukraine. Dort assimilierten sie sich mit den Russen, so dass heute fast keinerlei Spuren mehr über das Leben dieser Serben vorzufinden sind. Der damalige Metropolit von Karlovci (Karlowitz), Pavle Nenadović, unternahm alles, was in seiner Macht stand, um seinem Volk zu helfen und eine massenhafte Aussiedlung ins Ungewisse zu verhindern, und, soweit dies möglich war, die gewaltsame Katholisierung und Unierung zu verhindern. Er verhinderte die Unierung der Rumänen in Nordungarn und in Siebenbürgen. Doch leider wurden zu der Zeit die Serben uniert, und das Kloster Marca wurde zerstört. Die Serben wurden auch in Zumbarek (Gebiet südlich von Sombor in Kroatien) uniert. Die Unierung wurde mit Hilfe von militärischer Gewalt vorgenommen, durch körperliche Misshandlung der Geistlichen und des Volkes. Es gab jedoch auch Fälle, bei denen sich das einfache, römisch-katholisch gläubige Volk gegen die gewaltsame Überführung der Orthodoxen in den römisch-katholischen Glauben stellte. So beteiligen sich 1755 am berühmten Aufstand von Severin nicht nur Serben, sondern auch Kroaten. In einer Bittschrift an die Kaiserin hieß es, dass man ihnen „beide Gesetze (Konfessionen), das griechische und das römische (erlauben solle), um in Nächstenliebe leben zu können, wie bisher, und das dritte Gesetz der Unierten können wir nicht unter uns haben..., denn diese dritten stiften nur große Verwirrung und Uneinigkeit". Daraus lässt sich ableiten, dass die orthodoxe Bevölkerung nicht unter dem einfachen Volk zu leiden hatte, sondern unter speziell dafür ausgebildeten römisch-katholischen „Missionaren", die bereits Bekehrte bekehrten und ihre orthodoxe Glaubensidentität und ihre nationale Zugehörigkeit zerstörten. Dies geschah leider auf eine Weise, die dem Christentum nicht angemessen war.

 

Die gesamte Geschichte der Metropolie von Karlovci (Karlowitz) stellt einen Kampf der Serben um die Erhaltung ihres orthodoxen Glaubens und um ihren Fortbestand als Volk und nationale Minderheit im großen österreichischen Staat dar. Dabei hob sich vor allem Metropolit Pavle Ne-nadovic hervor (1749-1768), und dann auch Metropolit Stevan Stratimirović (1790-1836). Sie setzten sich alle für ihre Kirche, ihre Schule und ihr Volk ein. Stratimirović unterstützte 1804 und 1815 auch die Aufständischen in Serbien. Eine langfristige Garantie für den Fortbestand war die Pflege der nationalen Kultur und Bildung und die Eröffnung von serbischen Schulen. In Sremski Karlovci (Karlowitz) wurden 1794 ein Gymnasium und eine Theologische Schule eröffnet, die durch das gesamte 19 Jahrhundert gelehrte Geistliche ausbildete, und dies nicht nur für den Bedarf der Metropolie von Karlovci. Dies war die Blütezeit der Klöster in Fruška gora und anderorts. Bücher wurden gedruckt, die ersten serbischen Zeitschriften (Matica srpska) und Zeitungen erscheinen, berühmte serbische Maler und Ikonographen, Literaten und Dichter schufen ihre Werke... All dies geschah unter dem Patronat der Kirche als festestem und verlässlichstem Garanten für den Fortbestand des geistigen und materiellen Lebens.


Die Metropolie von Karlovac erlangte zur Zeit des Metropoliten Josif  Rajcić (1842-1848-1861) den Rang eines Patriarchats, und das serbische Volk in Ungarn bekam sein Herzogtum. Dieser Zustand blieb bis zum Ende des zweiten Weltkrieges und der Erneuerung des Patriarchats erhalten.


Im Laufe der zwei Jahrhunderte langen Autonomie  organisierte sich die Metropolie von Karlovci (Karlowitz) aufgrund der Privilegien, die ihr von Österreich zuerkannt wurden. Unter Kaiser Josef II und davor Kaiserin Maria Theresia und den Reformen, die sie im Staat durchführten, wurde die Position der Serben und ihrer Kirche gesondert geregelt. Die Kirchen- und Volksversammlung aus dem Jahre 1769 fasste entsprechende Beschlüsse über die Position, in der man sich befand, die in das so genannte Regulament hinein genommen wurden, und dann auch in das Deklaratorium, welches 1779 veröffentlicht wurde. Mit diesen Dokumenten wurde das Leben der Metropolie von Karlovci (Karlowitz) bis 1868 eingerichtet. 1868 erließ Kaiser Franz Josef I ein Königsreskript (königlicher Erlass), das bis zur Vereinigung der Kirche, 1920, in Kraft war.

 

Die Serben in der Österreich - Ungarischen Monarchie überlebten dieses Kaisertum als Volk und als Kirche. Sie schafften es, sich über zweihundert Jahre hinweg auf der nationalen Grundlage aber auch auf der geistigen Ebene gut zu organisieren. Sremski Karlovci galt lange als das „Serbische Zion", und Novi Sad als „Serbisches Athen". Die serbischen Schulen: Theologische Schulen, Gymnasien, Lehrerschulen und andere, standen auf ähnlichem Niveau wie vergleichbare Einrichtungen in Österreich-Ungarn. Angesehene Serben aus diesen Gebieten, Händler, Geschäftsleute, Schriftsteller, überhaupt Kulturschöpfer, waren ein Bestandteil jener Welt, in der sie lebten, doch sie bemühten sich auch, ihre geistige und nationale Identität zu bewahren.

 

Neuere Geschichte der Serbisch-orthodoxen Kirche (Diözese) in Österreich

 

Am 12. März 1969 wurde von der Heiligen Bischofsvollversammlung der serbisch-orthodoxen Kirche in Belgrad die Diözese für Westeuropa, Australien und Neuseeland, mit Sitz in London, gegründet. Zum ersten Bischof dieser Diözese wurde Lavrentije (Trifunivić) gewählt. Drei Jahre später wurde der Bischofsitz 1972 nach Düsseldorf verlagert. Die Hl. Bischofsversammlung entschied am 4. Juni 1973 die Gebiete Australien und Neuseeland aus der bestehenden Diözese auszugliedern und in eine eigene Diözese zu inkorporieren. Demnach blieben in der Diözese für Westeuropa ausschließlich die Gemeinden im westlichen Europa.


Auf Vorschlag von Bischof Lavrentije (Trifunović) hat am 6. Dezember 1990 die Hl. Bischofsvollversammlung der serbisch-orthodoxen Kirche in Belgrad die Diözese von Westeuropa in zwei Diözesen geteilt: Diözese für Britannien und Skandinavien mit Sitz in Stockholm und die Diözese für Mitteleuropa (Deutschland, Österreich und Schweiz) mit Sitz in Himmelsthür (Hildesheim). Als erster Bischof der neuen Diözese für Mitteleuropa wurde Konstantin (Djokić) gewählt.


Im Mai 2011 wurde in der Hl. Bischofsvollversammlung die Diözese für Mitteleuropa umgeschaltet und die Diözese für Österreich-Schweiz neu gegründet. In diese neue Diözese mit Sitz in Wien wurde auch das Gebiet von Italien inkorporiert. Als Administrator der neuformierten Diözese wurde Bischof Irinej (Bulović) von Bačka (Novi Sad) gewählt. Die Diözese unterliegt kirchenrechtlich dem Patriarchat von Belgrad.

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Orthodoxe Bischofskonferenz
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